Briefing im Workshop

Was Lisa im Booster erlebt hat….

Briefing im Workshop

Tasche ist gepackt, Noten sind geklebt und vorbereitet, Monologe liegen ausgedruckt vor mir, Tanzsachen habe ich bereits an aber ein zweites Shirt kann ja nie schaden. Mein Handy summt. Der Alarm den ich mir gestellt habe wird auf dem Display sichtbar. Jetzt aber los.

Mit meiner Tasche über dem Arm mache ich mich auf den Weg nach Charlottenburg zum Musicalbooster, dem Berliner Vorbereitungsworkshop für die Aufnahmeprüfungen an Musicalschulen. Hmmmm…aber was genau wird denn vorbereitet? Und wie? Diese Fragen habe ich mir vor mehr als zwei Jahren schon gestellt, als ich mich zum ersten Mal von meinem Heimatdorf ganz im Süden von Deutschland auf nach Berlin gemacht habe. Ich hatte damals keine Vorstellung, wie eine Aufnahmeprüfung an einer Musicalschule oder Universität abläuft. Tja, in dem Moment als ich den Raum betrat, hat sich das über drei Tage hinweg geändert. Damals wie heute wurde ich sehr herzlich und freundlich begrüßt und aufgenommen. Sowohl von den vier Dozenten, als auch von den anderen Teilnehmern. Schon witzig, wenn man bedenkt, dass man ja eigentlich Konkurrenz sein sollte. Aber nein, in diesen drei Tagen Workshop wird sich eine Gruppe entwickeln, die sich unterstützt und auch noch lange danach Kontakt halten und sich Tipps geben wird.

So, jetzt aber zum Workshop selbst. Zunächst einmal wird von vornherein klar gestellt, dass der Workshop ein geschützter Raum ist, Fehler und Emotionen absolut in Ordnung sind und als Chance gesehen werden. Das hat mir besonders gut gefallen, denn wir als Teilnehmer sind ja komplett unterschiedlich, sowohl als Menschen, als auch in unserer künstlerischen Entwicklung.

Zuerst lernen wir das Team kennen. Neben Christine, die den Bereich Schauspiel abdeckt, wird Anja mit uns am Tanz arbeiten. Christian kümmert sich um den gesanglichen Part und Stephan ist der  Experte für das Thema Selbstwahrnehmung, Präsentation und Stressbewältigung.

Dann stellen wir uns vor. Wo kommen wir her? Was machen wir zur Zeit? Wie sind unsere Erfahrungen mit Aufnahmeprüfungen. Was sind unsere Erwartungen?  Schon hier wird klar, dass wir im Fokus stehen und man mit jedem einzelnen von uns arbeiten will und wird. Und dann geht es los. Zunächst einmal Lockerungs- und Atemübungen mit Christine. Die sind super. Diese kleinen Tricks helfen nämlich schon in den Prüfungen, wenn das Adrenalin dem klaren Denken im Wege steht. Fühlt die Füße! Wenn ihr wissen wollte, was sich hinter diesem Satz verbirgt, der so vieles ausrichten kann, dann seid ihr bei Christine bestens aufgehoben. „Wer nicht schwitzt, macht etwas falsch“? Bei Anja powert man sich richtig aus!  Anders als bei anderen Workshops, die ich kenne, legt sie sehr großen Wert auf Austrahlung und Energie beim Tanz. „Enjoy yourself!“.

Als nächstes präsentieren wir ein Stück aus unserem Repertoir womit wir uns als Person und Künstler im Workshop vorstellen. Genau! die Coaches sehen uns nämlich nicht nur als Teilnehmer sondern auch als Künstler und das war für mich schon ziemlich besonders und auch sehr schön.

Generell gilt; geht etwas daneben, überhaupt nicht schlimm! Besser hier in diesem Raum, in dem man daraus lernen kann, als bei einer Prüfung.

Zum Abschluss noch der Gesang mit Christian, der selbst an der UDK in Berlin studiert hat und jetzt regelmäßig auf großen Musicalbühnen steht.

Am Ende des Tages ziehen wir ein gemeinsames Resumee und jeder setzt sich Ziele für den nächsten Tag.

Am 2. Tag beschäftigen wir uns mit einer Ensemblearbeit in den Breichen Gesang und Tanz.

Das Schöne ist, dass man im Laufe der drei Tage immer wieder Gelegenheit hat, sich mit den anderen Workshopteilnehmern auszutauschen z.B über guten Unterricht und Erfahrungen bei Aufnahmenprüfungen.

Man wächst zusammen und wird ein Ensemble.

Schauspieltechnik mit Christine steht jetzt auf dem Plan. und wieder viele kleine Übungen, die einem helfen sich in eine Rolle hineinzuversetzen.

Nach einer Einheit Chorgesang geht es dann ans Eingemachte. Die Prüfungssimulation.

Dieser Punkt ist eine ultimative Chance, die ich so noch nie vorher und auch nie wieder danach gesehen habe, weil es kein anderer Workshop weit und breit anbietet. Die vier Dozenten werden in diesem Moment wirklich zu Prüfern, wie ich sie auch 1:1 in den Musicalschulen erlebt habe. Hier präsentiert man sein ganzes  Repertoire. Dann kommt etwas, worauf ich beim ersten Mal überhaupt nicht vorbereitet war – die Improvisation. Und ihr glaubt gar nicht, wie oft das in den Aufnahmeprüfungen tatsächlich vorkommt! Sich komplett darauf einzulassen, ist absolut wesentlich. Das habe ich im Musicalbooster zum ersten Mal verstanden. Aber zu viel möchte ich darüber nicht verraten, lasst euch überraschen.

Dann geht es mit Stephan weiter zu den Themen Stressbewältigung und Selbstpräsentation. Was macht euch Angst? Wie geht ihr damit um? Hierauf seine eigenen Antworten zu finden, ist meiner Ansicht nach, schon Gold wert. Diese Sequenz hat mir auch im Nachhinein bei den Aufnahmeprüfungen sehr geholfen und ich hab sie auch so noch nie in einem anderen Format erlebt. Da jeder sehr individuell ist, braucht das auch seine Zeit und die haben wir hier. 

Im Einzelfeedback nach der simulierten Prüfung wird es hochspannend. Von jedem der vier Coaches gibt es in einem Einzelgespräch eine Rückmeldung. Was ich hier besonders schätze ist die Ehrlichkeit der Dozenten, ein konkretes, nie verletzendes Feedback, ein Rückblick auf das Repertoir und die Präsentation. Die Dozenten geben hier auch individuelle Tipps welche Stücke besser passen würden.

Zum Abschluss des Tages gibt es nochmal eine Abschlussrunde. Puh, danach fällt man wirklich sehr erledigt , aber auch glücklich in die Kissen.

Am letzten Tag wird die Ensemblearbeit in die Schlussform gebracht, wie am Theater mit Generalprobe und Premiere. Alles noch ein letztes Mal geprobt, ready für das große Finale, oder?

Zuerst kommt aber noch das Coaching mit Stephan. Last but not least  „Meet the prof”. Durch die guten Verbindungen des Musicalbooster Teams ist es möglich, dass sie für jeden Workshop einen Dozenten einer Musicalschule einladen können. Das letzte Mal war es Michael Dixon von der Universität der Künste in Berlin.

Auch diese Begegnung ist eine große Chance. Sowohl Teilnehmer mit als auch ohne Prüfungserfahrung profitieren davon und können alle ihre Fragen stellen.

Und dann ist es soweit – FINALE! Die Vorführung unserer Ensemblearbeit – Schauspiel, song and dance alles miteinander verknüpft und verwoben. That is musical theater! Ein tolles Erlebnis und auch ein Zeugnis, von dem was man gemeinsam erlernt und erarbeitet hat. Ein klasse Gefühl und überhaupt ist die Gruppendynamik der absolute Hammer. Damals wie heute. Nach der finalen Abschlussrunde ging es dann ans zusammenräumen und sich verabschieden. Wie schon gesagt, habe ich bereits an zwei Booster-Workshops teilgenommen. In beiden konnte ich unheimlich viel mitnehmen und habe unglaublich viel gelernt. Bei Fragen, oder wenn ich einen Rat brauche, kann ich immer zu den vier Coaches kommen. In der geschlossenen Facebook Gruppe herrscht ein reger Austausch zwischen den Teilnehmern. Nebenbei posten die Dozenten immer wieder neue Anregungen für Repertoire oder das Leben als Künstler.

Zusammengefasst  würde ich jedem, der seine Leidenschaft für Musical zum Beruf machen will und sich auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten will diesen Workshop empfehlen.

Wieso? Die Liste, der Antworten ist unendlich lang.

Es ist die Herzlichkeit und Fachkompetenz der Dozenten, die es einem möglich macht sich selbst zu finden und sich weiter zu entwickeln; es ist der geschützte Raum, der es erlaubt Fehler und Emotionen zuzulassen; es ist die Prüfungssimulation, die dich auf eine Situation vorbereitet, die du so noch nie erlebt hast, es ist die Ehrlichkeit, die dir hilft dein Repertoire und dich zu verbessern; es ist die Atmosphäre, die es dir erlaubt deine Kreativität zu entfalten und das zu tun, was du liebst; es ist so viel mehr… es ist einfach „Musical booster“.